Schorletrinker
Beruf: Oenologe
Lieber etwas mehr Schwefel und der insbesondere die negativen Spontanmikroben etwas unterdrückt und somit die echten Weinhefen fördert.
Sehr moderat im Schwefeleinsatz sein am Anfang, das legst du allerdings nacher doppelt wieder drauf. Top gesundes Traubengut. Bei normaler Arbeitsweise kann man das ein oder andere prozent Fäulnis vielleicht tolerieren, bei Spontis hätte ich da echte Bauchschmerzen. Es sei denn man kommt damit zurecht offensichtliche Weinfehler als Terroir zu vermarkten.
bis sich dann eben die Spontanflora im Keller breit gemacht hat.
Schorletrinker
Beruf: Oenologe
Danke für obige Sätze, trifft größtenteils zu und ich kann mir einen weiteren langen Text ersparen. Aber mal schauen, vielleicht haben andere User andere Meinungen.Beim lesen fällt mir auf, den ganzen langen Text hätte ich mir eigentlich sparen können denn:
"Was die "Spontangärungspropheten" wollen oder erzählen, hat i.d.R. nicht immer so viel mit der technischen Realität zu tun?!"
würde das wohl auf den Punkt bringen?![]()
Schau Dir mal die Herbstempfehlungen verschiedener Berater an. Es wird teilweise empfohlen Aktivkohle zur Vermeidung gärhemmender Substanzen (Spritzmittel) zu verwenden. Könnte schon sein, das es Auswirkungen auf die spontane Hefeflora hat.und wie sind Eure Erfahrungen mit dem Einfluss der Spritzungen im Weinberg auf das Vorhandensein von spontanen Hefen? Hier im Süden wird von den meisten Oenologen behauptet, es gäbe gar nicht genug spontane Hefen auf dem Traubengut, um eine vernünftige Gärung in Gang zu setzen (was mich persönlich, angesichts der im Weinberg verwendeten Mittel auch nicht überraschen würde, aber da habe ich halt keine eignene Erfahrung). Ich kenn mich allerdings auch nur mit Rotwein aus - ist ja durch den langen Kontakt auf der Maische auch sicher noch anders, als gleich abgepresste Weiße.
Ps hors sujet: warum steht da links "Schorletrinker - ich trink sowas nie:-)
Schorletrinker
Beruf: Oenologe
Schorletrinker
Beruf: Weinmacher
Genauso sehe ich das auch. Hier wird hauptsächlich am Marketingrad gedreht.Beim lesen fällt mir auf, den ganzen langen Text hätte ich mir eigentlich sparen können denn:
"Was die "Spontangärungspropheten" wollen oder erzählen, hat i.d.R. nicht immer so viel mit der technischen Realität zu tun?!"
würde das wohl auf den Punkt bringen?![]()
Schorletrinker
Beruf: Winzer
Ampelia ist doch bei einem Nahmhaften Bio-Dyn Betrieb, der für mich immer ein bischen Vorzeigefunktion hier in der Region hat. Was hört man denn da von der Kellercrew bezüglich Gäreigenschaften seit der Umstellung?
. Allerdings ist Spontangärung bei uns erst seit etwa 2005 ein intensives Thema, das zunächst versuchsweise angegangen worden ist und mittlerweile auch usus in der gesamten Palette ist. Der Gedanke dabei ist, Spontangärung als ein mögliches Instrument einzusetzten, das berühmte "Terroir" noch besser herauszuarbeiten
. Ob dies der Fall ist, muß sich noch herausstellen. Uns ist vor allem daran gelegen, daß die Klarheit der Fruchtaromen erhalten bleibt und nicht durch Gär(fehl)töne überlagert wird.
Zitat
Die Mühe mal Abstriche zu nehmen, sowohl aus Weinberg und Most um zu identifizieren, was da so kreucht und fleucht (speziell die Nicht-Saccharomyceten, die machen die Spontigärung ja so interessant) macht sich ja keiner. Ist auch bei um 800 Arten, wahrscheinlich tausenden von Stämmen und einer ziemlich unklaren Abgrenzung auch nicht ganz so einfach. Es soll Betriebe in Übersee geben, die das mal gemacht haben, und aus ihren Weinbergen eigene Stämme isolieren und
weitervermehren, auch das ein Beitrag zum vielgerühmten "T"-Wort.
Zitat
Bei der Eigenwerbung nimmt es mancher Winzer nicht so genau. Behauptet wird, was der Genießer gerne hören möchte. Doch oft verbirgt sich dahinter nur ein Schmalspurwein.
Zu 1. Hast vollig recht. Es sind aber auch Nicht Weinhefen an der Angärung beteiligt.Zur weiter oben stehenden Diskussion zwischen Harald und Oenologe 77 möchte ich noch zwei Aspekte ergänzen:
1. Liegt nicht ein wesentlicher Unterschied zwischen Spontan- und Reinzuchthefegärung in der Tatsache, dass bei ersterer zumindest am Beginn mehrere Hefearten tätig sind, während bei letzterer durch die hohen RZH-Dosen bereits (fast) von Anfang an eine Spezies deutlich dominiert? Oder anders gefragt, spielt es für das üblicherweise als Hauptvorteil der Spontangärung dargestellte komplexere Aroma letztlich gar keine Rolle, ob die Spontanflora aus dem Weingarten oder dem Keller kommt? (Zumal die Sache mit den lagenspezifischen Hefestämmen meines Wissens wissenschaftlich gesehen auf sehr tönernen Füßen steht.)
2. Ist es - gerade in Deutschland - nicht häufig so, dass reduktive Aromen bis hin zu klaren Böcksern in vielen Weinfreak-Kreisen eindeutig mit Spontangärung assoziiert (und daher nicht nur toleriert, sondern mitunter sogar favorisiert) werden, obwohl die Ursache dafür vielleicht weniger in der Art der Gärung als im Umgang mit SO2 und der Lagerung auf der Hefe liegt?
Grüße
Bernhard
Schorletrinker